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Ratgeber für Menschen neu in Deutschland

Bewerben mit ausländischem Abschluss Was in Deutschland wirklich hilft

Du hast im Ausland studiert oder eine Ausbildung gemacht und suchst hier eine Stelle, die zu deinem Können passt? Sechs Schritte, die Studien stützen. Ehrlich eingeordnet und mit Quellen.

Lesezeit etwa 8 Minuten, Stand Oktober 2026, von Dr. Janosch Leugner

  • +24,5Prozentpunkte häufiger beschäftigt nach voller Anerkennung
  • 2 ×so viele Rückrufe mit Erfahrung im Land statt im Ausland (Kanada)
  • 30 bis 40 %mehr Bewerbungen solltest du im deutschsprachigen Raum einplanen

Viele Zugewanderte arbeiten in Deutschland unter ihrem Können. 2012 betraf das gut jede fünfte ausländische Fachkraft mit Berufsabschluss (22,5 Prozent). Arbeitgeber können ausländische Abschlüsse und Stationen oft schwer einordnen. Genau dort setzen die Schritte an.

Quelle: IAB Aktueller Bericht 13/2015: Formale Überqualifizierung von Ausländern

Lass deinen Abschluss anerkennen

In einer deutschen Studie waren Zugewanderte, die die volle Anerkennung ihres Abschlusses erhielten, drei Jahre später um 24,5 Prozentpunkte häufiger beschäftigt und verdienten 19,8 Prozent mehr pro Stunde als vergleichbare Personen ohne Antrag. Das galt auch in Berufen, in denen die Anerkennung gar keine Pflicht ist.

Arbeitgeber reagieren darauf: In einem Experiment mit Personalverantwortlichen verkleinerte ein anerkannter Abschluss den Nachteil ausländischer Bewerbender deutlich. Ganz verschwunden ist er nicht.

+24,5Prozentpunkte häufiger beschäftigt, drei Jahre nach voller Anerkennung
+19,8 %höherer Stundenlohn

Einordnung: Eine Studie mit Daten bis 2014. Wer den Antrag stellt, bringt oft schon gute Voraussetzungen mit. Für alle Zugewanderten wäre der Effekt vermutlich kleiner.

Für dich

Schau im Anerkennungs-Finder des Bundes nach, welche Stelle für deinen Beruf zuständig ist. Sobald du den Bescheid hast, nennst du im Lebenslauf den deutschen Referenzberuf direkt neben deinem Abschluss.

Quellen: Brücker, Glitz, Lerche, Romiti 2021, Journal of Labor Economics; Damelang, Ebensperger, Stumpf 2020, Social Forces

Sammle Erfahrung in Deutschland

Ein großes Experiment in Kanada verschickte rund 13.000 Lebensläufe. Bewerbungen mit ausländischem Namen und Berufserfahrung aus dem Ausland bekamen 5 Prozent Rückrufe. Stand dieselbe Erfahrung als kanadische Erfahrung im Lebenslauf, waren es 11 Prozent, also gut doppelt so viele. Wer vier bis sechs Jahre im Land gearbeitet hatte, gewann durch einen zusätzlichen kanadischen Abschluss nichts mehr.

Rückrufe je Bewerbung
  • Englischer Name, Ausbildung und Erfahrung in Kanada 16 %
  • Ausländischer Name, Erfahrung in Kanada 11 %
  • Ausländischer Name, Ausbildung und Erfahrung im Ausland 5 %

Feldexperiment in Kanada, 2008 (Oreopoulos 2011).

Einordnung: Für Deutschland gibt es keine vergleichbare Studie. Die Erfahrung im Land gleicht den Nachteil durch die Auslandserfahrung aus, den durch den Namen nicht.

Für dich

Ein Praktikum, eine Werkstudentenstelle, ein Projekt oder ein Ehrenamt in Deutschland ist oft mehr wert als ein weiterer Kurs. Stell diese Station im Lebenslauf nach oben.

Quelle: Oreopoulos 2011, American Economic Journal: Economic Policy

Bereite deine Unterlagen für Deutschland auf

Deutsche Arbeitgeber erwarten einen lückenlosen Lebenslauf, ein Anschreiben und meist Zeugnisse. Für ausländische Stationen fehlt ihnen oft der Bezug. Gib ihn mit.

  • Abschluss übersetzen. Deutschen Referenzberuf und Stand der Anerkennung direkt beim Abschluss nennen.
  • Stationen erklären. Bei ausländischen Arbeitgebern in einem Halbsatz sagen, was die Firma macht und wie groß sie ist.
  • Sprache belegen. Dein Deutschniveau mit Zertifikat angeben, zum Beispiel B2 oder C1.
  • Gegenlesen lassen. In einem Experiment senkten fünf Rechtschreibfehler die Chance auf eine Einladung um 18,5 Prozentpunkte.
  • Zeugnisse beilegen, aber nicht darauf bauen. Sie sind in Deutschland üblich. Dass sie die Benachteiligung ausgleichen, ist nicht verlässlich belegt.
  • Foto bewusst entscheiden. Ein Bewerbungsfoto ist in Deutschland üblich, aber keine Pflicht.
Für dich

Lass deinen Lebenslauf von jemandem lesen, der den deutschen Arbeitsmarkt kennt. Wenn diese Person jede Station ohne Nachfrage versteht, ist er bereit.

Quellen: Sterkens u. a. 2023, PLOS ONE; Koopmans, Veit, Yemane 2019, Ethnic and Racial Studies

Wähl deine Arbeitgeber mit Bedacht

Benachteiligung bei der Einladung lässt sich in allen untersuchten Ländern messen, aber nicht überall gleich stark. Öffentliche Arbeitgeber und größere Unternehmen benachteiligen weniger als kleine private Betriebe. In einer deutschen Studie hatten Bewerbungen mit deutschem Namen in kleinen Firmen einen Vorsprung von 24 Prozent, im Durchschnitt aller Firmen von 14 Prozent.

Hier lohnt die schriftliche Bewerbung
  • Öffentlicher Dienst
  • Hochschulen und Forschung
  • Größere Unternehmen mit festen Auswahlverfahren
Hier eher über Menschen
  • Kleine Betriebe und Läden
  • Über eine persönliche Empfehlung
  • Mit Praktikum oder Probetag als Einstieg

Einordnung: Größere Arbeitgeber nutzen häufiger standardisierte Verfahren. Was davon genau wirkt, ist nicht getrennt untersucht.

Für dich

Misch beides: gezielte Bewerbungen bei großen und öffentlichen Arbeitgebern, und bei kleinen Betrieben den Weg über Menschen, die dich empfehlen können.

Quellen: Zschirnt & Ruedin 2016, Journal of Ethnic and Migration Studies; Kaas & Manger 2012, German Economic Review

Sprache: eine Investition mit Geduld

Berufssprachkurse zahlen sich aus, aber später, als viele hoffen. Während des Kurses arbeiten Teilnehmende seltener, weil sie lernen. Zwei Jahre nach Beginn lagen sie in der Beschäftigung noch 5,9 Prozentpunkte zurück, nach etwa drei Jahren gleichauf und nach vier Jahren 2 Prozentpunkte vorn. Frauen profitierten deutlich stärker.

Beschäftigung im Vergleich zu ähnlichen Personen ohne Kurs
  • Nach 2 Jahren −5,9
  • Nach 3 Jahren ±0
  • Nach 4 Jahren +2
  • Nach 4 Jahren, nur Frauen +11,3

Prozentpunkte. Teilnehmende 2017/18, amtliche Evaluation 2025 (Baderschneider u. a.).

Am Telefon zählt der Akzent

In einem deutschen Feldexperiment hatten Anrufe mit türkischem Namen keinen Nachteil, Anrufe mit hörbarem Akzent schon. Eine Metaanalyse zeigt, dass das nicht an der Verständlichkeit liegt. Es hängt mit dem Status zusammen, den Zuhörende einem Akzent zuschreiben.

Einordnung: Der Kursverlauf gilt im Durchschnitt. Für Ältere und vom Jobcenter verpflichtete Teilnehmende war der Effekt kleiner. Wie groß der Akzent-Nachteil am Telefon in Deutschland ist, ist nicht genau bekannt.

Für dich

Plane den Kurs als Investition über mehrere Jahre, nicht als schnellen Weg zum Job. Such den ersten Kontakt eher schriftlich und leg dir für Telefonate zwei, drei Sätze zum Einstieg zurecht.

Quellen: Baderschneider u. a. 2025, Evaluation der Berufssprachkurse (IZA Research Report 149); Schmaus & Kristen 2022, International Migration Review; Spence u. a. 2024, Personality and Social Psychology Bulletin

Plan mehr Bewerbungen ein und nimm Absagen nicht persönlich

Drei unabhängige Metaanalysen kommen zum selben Ergebnis: Bewerbende aus Minderheiten müssen mehr Bewerbungen schreiben, um gleich oft eingeladen zu werden. Im deutschsprachigen Raum sind es etwa 30 bis 40 Prozent mehr. Bessere Noten erhöhen die Chancen für alle, den Abstand schließen sie nicht.

30 bis 40 %mehr Bewerbungen für dieselbe Zahl an Einladungen

Das ist ein Befund über Arbeitgeber, nicht über dich. Wer das weiß, liest eine Absage nicht als Urteil über die eigene Qualifikation.

Für dich

Rechne von Anfang an mit mehr Bewerbungen und plane deine Woche danach. Im Coaching legen wir gemeinsam fest, wie viele es sein sollen und wo sich der Aufwand lohnt.

Quellen: Zschirnt & Ruedin 2016, Journal of Ethnic and Migration Studies; Quillian u. a. 2019, Sociological Science; Koopmans, Veit, Yemane 2019, Ethnic and Racial Studies

Was weniger hilft, als man denkt

  • Mit guten Noten ist die Herkunft egal.Bessere Noten erhöhen die Chancen für alle. Der Abstand bleibt.
  • Ein Sprachkurs bringt sofort den Job.Zuerst arbeiten Teilnehmende seltener. Der Vorteil kommt nach Jahren.
  • Anerkennung lohnt sich nur in reglementierten Berufen.Auch dort, wo sie keine Pflicht ist, zeigten sich klare Vorteile.
  • Ein Akzent schadet nur, weil man schlecht verstanden wird.Die Verständlichkeit erklärt den Nachteil nicht.

Alle Bewerbungsmythen im Faktencheck

Häufige Fragen

Muss ich meinen ausländischen Abschluss anerkennen lassen?

Für manche Berufe ja, zum Beispiel in der Medizin. Für viele andere ist die Anerkennung keine Pflicht, lohnt sich laut Forschung aber trotzdem. Welche Stelle für deinen Beruf zuständig ist, zeigt der Anerkennungs-Finder.

Wo bekomme ich Hilfe bei der Anerkennung?

Das Portal „Anerkennung in Deutschland“ des Bundesinstituts für Berufsbildung hat eine Beratungssuche und eine Hotline. Im Coaching helfen wir dir danach, den anerkannten Abschluss im Lebenslauf richtig zu zeigen.

Soll ich ein Bewerbungsfoto beilegen?

Ein Foto ist in Deutschland üblich, aber keine Pflicht. Du entscheidest selbst, ob du eines beilegst. Wenn ja, dann ein aktuelles, professionelles Foto.

Wie viele Bewerbungen sollte ich einplanen?

Im deutschsprachigen Raum brauchen Bewerbende aus Minderheiten im Schnitt etwa 30 bis 40 Prozent mehr Bewerbungen für dieselbe Zahl an Einladungen. Plane das von Anfang an ein, dann trifft dich eine Absage weniger hart.

Kann ich das Coaching auf Englisch machen?

Ja. Unsere Coaches begleiten dich auf Deutsch, Englisch, Spanisch oder Französisch, online. Mehr zum Coaching auf Englisch

Ist das Coaching kostenlos?

Mit einem bewilligten AVGS-Gutschein zahlst du nichts. Ob ein Gutschein für dich infrage kommt, klären wir im Erstgespräch. Mehr zum AVGS-Gutschein

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Quellen

Zusammengefasst aus Studien und amtlichen Berichten, Stand Oktober 2026. Die Aussagen sind gegengeprüft; Grenzen der Studien stehen jeweils im Text. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Anerkennungsberatung.

  1. IAB Aktueller Bericht 13/2015: Formale Überqualifizierung von Ausländern
  2. Brücker, Glitz, Lerche, Romiti 2021, Journal of Labor Economics
  3. Damelang, Ebensperger, Stumpf 2020, Social Forces
  4. Oreopoulos 2011, American Economic Journal: Economic Policy
  5. Sterkens u. a. 2023, PLOS ONE
  6. Koopmans, Veit, Yemane 2019, Ethnic and Racial Studies
  7. Zschirnt & Ruedin 2016, Journal of Ethnic and Migration Studies
  8. Kaas & Manger 2012, German Economic Review
  9. Baderschneider u. a. 2025, Evaluation der Berufssprachkurse (IZA Research Report 149)
  10. Schmaus & Kristen 2022, International Migration Review
  11. Spence u. a. 2024, Personality and Social Psychology Bulletin
  12. Quillian u. a. 2019, Sociological Science